Sonntag, Februar 04, 2007

12

Auch wenn die Antwort auf alle Fragen eigentlich 42 ist, sind es bis zum letztmalig erörterten Zeitpunkt 12. Um die 12 verschiedene Ichs, verwaltet von einem Über-Ich. Eigentlich eine Art Master-Slave- Betrieb. Nur nicht an einem so einfach zu kontrollierenden Bus- system. Nungut, leider sind zur Zeit nicht alle aktiv, deswegen kann ich das gesamte zugrundeliegende System nicht darlegen. Puh wirst Du Dir gerade denken und Dir aus refleX den noch gar nicht entstandenen Schweissfleck von der Stirn wischen. Mach nur, wir können das verstehen...

Eines von jenen zwölf stellt gerade fest, dass soeben eine A-Team folge durch den Hintergrund rauschte, die alle einstimmig noch nicht kannten. Schliesslich ist doch Hannibal derjenige der immer meint, dass er es lieben würde, wenn ein Plan funktioniert. Aber wenn B.A. das am Schluss sagt, wäre es uns sicher in Erinnerung geblieben. Vielleicht ist diese Information aber auch irgendwo in den Weiten der Datenbank verloren gegangen, wenn nicht gar überschrieben.
Überschrieben von nichts.. nein halt, von Leerstellen. Nichts kanns nicht sein, denn die eXistenz von Nichts ist ja nicht wirklich nachweisbar. Gemäss der heisenbergschen Unschärferelation würde die scheinbare Feststellung von nichts nur dazu führen, dass dieses nichts gar nicht das ist, was ohne die Erforschung da gewesen wäre. Hm.
Also zurück: Es sind Leerstellen. Genau solche, wie die unvermeidbar auftretenden Tage wie dieser in unserem Leben. Zeitspannen wie diese, in denen die Mehrheit von uns 12 sich einfach abschaltet. Nun mag man meinen, dass sei normal und gut - schliesslich kann eine gewisse Regenerationsphase für jene nicht schaden. Allerdings sind es immer dieselben.
Gut - das wäre an sich auch nicht schlimm. Aber diejenigen die verbleiben können dem Master das Leben zur Hölle machen. Denn es sind diejenigen, die von den Abgeschalteten sonst immer weitestgehend im Zaume gehalten werden. Stumm schreien sie ihre Gedanken, pausenlos. Versunken im Chaos machen sie sich ihre Welt - ja, wie sie ihnen gefällt. Und das nicht nur bis nicht mehr zu unterscheiden ist, was nun real ist. Frühling? Oder doch Herbst? Sondern bis gar nur noch das zu erkennen ist, wonach schon alles zu spät ist. Klimakatastrophe... ja das passt.
Der fast unbewusste Zwang, die erstaunlichen Unmengen destruktiver Gedanken abschieben zu wollen, erkennt sehr schnell für sich, dass das verlassene Rumsitzen und Schauen von 7 Folgen der eigentlich wirklich guten Serie twenty-four am Stück nicht mehr ausreicht. Der ständige Zwischenblick zur Uhr, welcher sich immer wieder erhofft, eine spätere Zeit abzulesen, als die, die wirklich auf dem Display steht, begünstigt die Unruhe. Unruhe, die Magenkrämpfe verursacht. Ein Drücken, als wenn ein grosser Magnet unter der Bauchdecke sitzen würde, der die gedanklich natürlich nur versehentlich herunter- geschluckten Bleikugeln.. anzieht. Dass dort weder ein Magnet, noch Bleikugeln sind beweist die Waage, die einem eher zu sagen scheint, dass genau diese schweren Dinge plötzlich fehlen. Dennoch ist das Gefühl da.
Um diesem zusätzlich zu den Gedanken auch noch irgendwie zu entgehen forciert der Zwang die Bewegung. So verlegen wir den Frühjahrsputz ein wenig vor. Das Bad völlig ausgeräumt, gefegt, gewischt. Den paradoXerweise als Schlafzimmer bezeichneten Raum ebenfalls.
Jenes der zwölf von eben scheint eine direkte Anbindung zur Serientabelle der Datenbank zu haben, denn es erinnert sich gerade spontan an die letzte Folge von Serenity - Firefly, wo ein etwas verrückt wirkender Kopfgeldjäger die Frage stellte, ob ein Zimmer überhaupt die Berechtigung haben könne, sich Schlaf-zimmer zu nennen, wenn niemand darin schläft...



Als kurzen eXkurs in Anlehnung an den Moment wo uns jemand danach fragte, warum dieser vollausge- stattete Raum nicht seiner Bezeichnung entsprechend benutzt würde: Es liegt am unbehaglichen Gefühl. So schön warm ist es dort. So schön gross ist das Bett. So sanft ist das schwarz-rote Hochglanzsatin. Und dennoch ist es mit sich selbst allein einfach nur eiskalt. Völlig verloren in den Weiten des Bettes. Und einfach nur traurig nur das Satin zu spüren. Zudem insgesamt bereits ab dem Betreten ein Gefühl wie eingesperrt. Als käme man nicht mehr raus. Als wäre drumherum nichts.
Und innen drin ist ebenso nichts. Wie wenn man sich völlig verängstigt an einem nur grauen Tag in einem grossen Wald verlaufen hat. Selbst wenn man dort auch den Fernseher einschalten könnte, ist es nicht dasselbe. Nicht dasselbe wie im Wohnzimmer auf der Couch. Der grössere, zweiteilige Raum. Neben der Geräuschvielfalt des dortigen Fernsehers sporadisch beiläufig gefüllt mit den wechselnden Statustönen anderer echter Menschen. Online gehen, offline gehen, nicht verfügbar, away, beschäftigt, oder nicht stören, vermitteln die vielen Kontakte aus der Liste, mit denen man zuletzt vielleicht vor Jahren mal schrieb, zumindest die Möglichkeit, dass einer dieser vielleicht mal einen ohoh-Ton erzeugen könnte, welcher bedeuten würde, dass er uns schreibt.
Der Administrator würde jetzt sagen, man könne doch auch ein Notebook ins Schlafzimmer stellen. Richtig, aber zugleich falsch, denn selbst wenn man zusätzlich ein kleineres Bett hinstellt und Omas Bettwäsche nehmen würde, wäre das Gefühl nicht zu beirren. Es ist im Ursprung bereits alleine die Begrifflichkeit des Raumnamens der dummerweise für zu viele Andere normale mehrdeutige Aktionen beinhaltet. Diese Tatsache allein ist bereits so festgebrannt, dass man sich auch durch eine Umbenennung in Nebenraum oder ähnlich nicht mehr selbst beirren kann.



Aber auch dieser ist nun gefegt, gewischt und von möglichen zuge- stellten Dingen befreit. Die Küche wäre als nächstes dran, doch der Vorgang ist so langwierig. Langwierig weil kraftlos und lustlos. Lustlos, weil die verbleibenden Anderen der 12 sich anpassen und im nächsten Schritt die Feststellung, dass man dies aus Zwang tun -muss- im Gleichklang hervorheben. Der Master versucht alles um die hoffnungsvoll als Phase bezeichnete Situation zu bekämpfen. Erinnernd an die Richtlinien der von der gesetzlichen Krankenkasse abgestellten Mentorin, welche zuletzt allzweiwöchentlich darauf hinwies, sich einerseits die Gedanken umzuwandeln, sich auf die Suche nach Gutem darin zu begeben, oder sich doch auf noch kommendes Zukünftiges zu freuen. Bei Ersterem unterschätzt sie nur dummerweise die Macht der Gedanken. Und bei Letzterem besteht ebenso dummerweise die Möglichkeit, dass sich gar nichts an dieser gefüllten Leere ändern wird. Leere, da ist sie wieder. Wobei, natürlich sind da Dinge in der Zukunft, die noch eintreten werden. Der Kurz-Urlaub mit meiner besten Freundin zum Beispiel. Allerdings ist der gesamte Satz reine Auslegungssache, deren Vertiefung zumindest in diesen jetzigen Tagen noch viel schneller zum Supergau führen würde.
Dafür sind da aber noch einige Aufträge, viel Arbeit. Arbeit, ja Arbeit lenkt ab. Zumindest zeitweise. Und sie bringt Geld, was auch nicht schlecht ist. Aber tendenziert es sich dahin, dass die Erkenntnis der Verbleibenden, dass es ein Zwang ist um sie selbst loszuwerden zu versuchen, viel zu schnell kommt. Die Gedanken entwickeln sich schliesslich weiter und werden in ihrer Suche nach dem Schmerz immer besser. Das beste Beispiel liefert da der für März/April geplante neue Rechner. Juchee.
Ein Rechner mit dem man endlich vernünftig und ruckelfrei die neuesten Spiele zocken kann [um sich noch viel besser abzulenken und sich der Realität einfach zu entziehen].
Ein Rechner mit dem man noch viel besser arbeiten kann. Toller, grösser, weiter [um zur Ablenkung noch anspruchsvollere Arbeiten zu tun als bisher].
Ein Rechner mit dem man Videos noch schöner, spektakulärer und vor allem schneller bearbeiten kann [um noch schneller weitere der unterhaltenden, realitätsfremden Serien zur Ablenkung zu haben].
Immer Höher, schneller, weiter. Ja, wir entwickeln uns stetig fort. Verdammterweise nur entwickeln wir alle 12 uns fort. Und so wie bei jedem Antivirenprogramm, sind die Virenprogrammierer immer den ersten Schritt voraus.
Das Feuer glimmt nicht nur, nein es entflammt. Die Flammen funkeln verspielt bei ihrem zerstörerischen Brand. Verhöhnend kichernd, denn sind sie immer zuerst da und sind sie schon zu gross, um sie einfach nur auspusten zu können... Unaufhaltsam, unaushaltbar...



Manchmal.. nein, sogar sehr oft, sind wir uns doch alle einig und sehnen uns zurück. Aber nein, erstaunlicherweise nicht in die Zeit in der man damals so viel in der realen Welt herumkam. Auch nicht in die Zeit wo man die Menschen - die leider nicht anders können als uns zu verletzen, weil sie doch sie selbst sind und nicht einfach so sein können wie wir es uns wünschen würden - noch nich kannte. Und noch viel paradoXer ebenso nicht in die Zeiten wo gewisse Wohnzimmer zu kurzweilig zum mehrdeutigen Schlafzimmer wurden. Nein, es ist eine Zeit, die wir gar nicht mehr wirklich anhand von Zeitrechnungsdaten zuordnen können. Es muss sich aber ungefähr um vor 18 Monaten handeln. Eine Zeit, eine Nacht, eine Stunde, ein Moment für die Ewigkeit. Es war so kühl, es regnete, die Strasse wie leergefegt. Ausser den Laternen nirgendwo ein Licht oder Geräusch. Nur unser Handy leuchtete seicht und sprach zu uns. Und noch etwas war dort. Unser Herzschlag. Die Welle des Lebens. Es war zwischen den Welten. Begleitet von dem in der grössten globalen Kategorie "Leben" so tiefschmerzhaften und zugleich so kraftvoll schönsten Moment des unser aller Daseins. Wir werden das von uns dem Begriff "Sehlativum" Zugewiesene niemals vergessen..
Damals, vor
Ariens Haus...